Technische, normative Anforderungen - Fertigteilhäuser in Österreich

Frage:

Welche technischen/rechtlichen/normativen Anforderungen bez. der Produktion/des Baus von Fertigteilhäusern in Holzbauweise sind in Österreich zu beachten? Wie sind die Bestimmungen im europäischen Raum?

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Nr.: 1513


Antwort der Experten:

Generell werden Bauprodukte in Österreich durch die Baustoffliste ÖA bzw. ÖE geregelt.

Vorgefertigte tragende Wand/Decken/Dachelemente mit hölzerner Konstruktion (beidseitig geschlossen) fallen in Österreich in den Geltungsbereich der Baustoffliste ÖA und benötigen deshalb eine sogenannte Registrierungsbescheinigung und eine Kennzeichnung mit dem Einbauzeichen ÜA. Es sind sowohl Elemente in Rahmenbauweise als auch massive, mehrschichtig und mit zusätzlichen Baustoffen zusammengesetzte Bauteile darin erfasst.

Der Verwendungsgrundsatz des OIB „Vorgefertigte tragende Wand- und Deckenbauteile mit hölzerner Konstruktion“ (Ausgabe 2018) gilt bundesweit, somit ist das „ÜA Zeichen“ in Österreich für Gebäude für Wohnzwecke oder Gebäude, die dem längeren oder ständigen Aufenthalt von Personen dienen (z. B. Bürogebäude, Kindergärten, Schulen) verpflichtend.

Dies gilt auch für vorgefertigte Holzbauelemente, wenn sie z.B. im Ausland produziert werden. Sobald solche Bauteile als Bauprodukte in Österreich in Verkehr gebracht werden, ist das „ÜA-Zeichen“ obligatorisch.

Auch weitere Bauprodukte, z. B. für den Ausbau von Gebäuden, wie z. B. Türe, Tore und Fenster sind in der Baustoffliste ÖA oder ÖE geregelt und benötigen somit ein ÜA oder ein CE-Zeichen (z. B. bei Fenster gem. ÖNORM EN 14351-1).

Registrierungsbescheinigungen werden durch jeweilige Registrierungsstellen der Länder ausgestellt. Dafür sind vorab die Standardaufbauten (Wände, Decken, Dächer) zu definieren, wobei Roh- oder. Fertigbauteile (Nachweise für Brandschutz, Wärmeschutz, Schallschutz) möglich sind. Weiteres ist vor der Erstausstellung des ÜA-Zeichens eine Erstinspektion vor Ort, sowie ein Überwachungsvertrag durch eine akkreditierte Stelle (wie z.B. der Holzforschung Austria) notwendig. Darüber hinaus muss die Produktionsfirma eine kontinuierliche Eigenüberwachung führen.

Weiters sind die relevanten österreichischen/europäischen Regelwerke zu beachten, z. B. die ÖNORM B 2320 (Wohnhäuser aus Holz – Technische Anforderungen), die ÖNORM B 2310 (Fertighäuser – Benennung und Definition sowie Mindestleitungsumfang). In dieser nationalen Norm wird der Begriff »Fertighaus«, unabhängig von den verwendeten Baustoffen, für Wohngebäude, Bürogebäude, Schulen, etc. geregelt. Weiters legt die ÖNORM B 2310 die 3 Ausbaustufen (Ausbauhaus, Belagsfertiges Haus, Schlüsselfertiges Haus) sowie den Mindestleistungsumfang im Fertighausbau fest.

Darüber hinaus sind die jeweiligen Landesgesetze, abrufbar unter: www.ris.bka.gv.at und die OIB Richtlinien, kostenlos zum Herunterladen unter: www.oib.or.at zu berücksichtigen.

Eine freiwillige Qualitätssicherung für den Fertighausbau ist die Güterichtlinie für Fertighäuser, Ausgabe April 2018 (Gütezeichen Austria) herausgegeben von der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualität (ÖQA) in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Fertighausverband – in dieser Richtlinie sind zusätzliche Anforderungen definiert. Mitglieder des Österreichischen Fertighausverbandes müssen diese Güterichtlinie erfüllen.

Derzeitige europäische Nachweismöglichkeiten für Bausätze („Häuser“) in Holzbauweise:

Auf europäischer Ebene gibt es derzeit keine harmonisierte Regelung für solch vorgefertigte Bauteile. Es besteht jedoch die Möglichkeit für „Bausätze für Gebäude in Holzbauweise“ eine europäische Bewertung  (ETA) und damit eine CE-Kennzeichnung zu erlangen.

Das dazugehörigen Bezugsdokumente wäre in diesem Fall die Leitlinie ETAG 007 (used as EAD; Leitlinie für die Europäische technische Zulassung für Bausätze für den Holzrahmenbau; Ausgabe 2012)

Abgelegt unter der Kategorie: Zertifizierung Bauweisen

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