Neueinstufung Formaldehyd

Frage:

Welche möglichen Auswirkungen hat die Neueinstufung Formaldehyds als krebserregender Stoff auf die Holzindustrie?

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Nr.: 2056


Antwort der Experten:

Mit der EU-Verordnung 605/2014 zur Änderung der Verordnung EU 1272/2008 (CLP-Verordnung, entspricht. GHS) erfolgte mit 1. April 2015 eine Neueinstufung von Formaldehyd als krebserzeugend Kategorie1B und mutagen Kategorie 2. Die EU-weite Umsetzung hat bis 1.01.2016 zu erfolgen.

Bisher galt Formaldehyd als „möglicherweise krebserregend“ und war in Kategorie 3 (nach 67/548/EWG) bzw. in Kategorie 2 (nach EG1272/2008) eingestuft. Die Neueinstufung in Kategorie 1B besagt, dass die krebserregende Wirkung im Tierversuch nachgewiesen wurde und daher beim Menschen wahrscheinlich ist. Die Einstufung mutagen Kategorie 2 bedeutet dass Formaldehyd „vermutlich genetische Defekte verursachen kann“.

Auch wenn es tendenziell schon seit Langem in Richtung der Erzeugung formaldehydärmerer Holzwerkstoffe geht, und auch immer mehr Platten mit deutlich reduzierten Formaldehydemissionen am Markt erhältlich sind (z.B. unter den Handelsbezeichnungen E0,5, E½, EPF-S, E0, SuperE0, F**** etc.), so resultiert aus der Neueinstufung derzeit unmittelbar dennoch keine Verringerung des bisherigen Emissionsgrenzwertes „E1“, der zudem von maßgeblichen Behörden und Gremien in erneuten Evaluierungen als sicher bestätigt wurde. Der Emissionsgrenzwert „E1“ stellt auch weiterhin den niedrigsten, normativ geregelten Grenzwert in Europa dar. Demgemäß müssen auch niedrig emittierende Holzbauprodukte (z.B. Plattenwerkstoffe, Brettschichtholz), die lt. der EU Bauproduktenverordnung 305/2011 mit dem CE Kennzeichen versehen und auf den Markt gebracht werden, der Formaldehydemissionsklasse E1 zugeordnet werden.

Für den Innenraum gibt es in Österreich keine Formaldehyd- Grenzwerte, in der Richtlinie zur Bewertung der Innenraumluft wird als 24h Mittelwert eine Empfehlung von 0,05 ppm abgegeben - als Richtwert bei dem keine Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit zu erwarten ist.

Unmittelbare Auswirkungen der Neueinstufung betreffen vor allem den Bereich der Arbeitssicherheit, wo der MAK Wert von ehemals 0,5 ppm (Tagesmittelwert) auf 0,3 ppm herabgesetzt wurde. Betroffen hiervon ist jeder, der mit dem Arbeitsstoff Formaldehyd zu tun hat, also z.B. im Bereich der Plattenherstellung, Tischlerei etc. tätig ist.


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