Befestigung von Gipsplatten/Verankerungslänge

Rudolf Moser (Handel):

Gibt es eine Verordnung für die Befestigung von Gipsfaser/Gipskartonplatten? Wie tief muss die zu befestigende Schraube ins Holz eindringen, um einen ausreichenden Brandschutz zu gewährleisten.

 

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Nr.: 1351


Antwort der Experten:

Auszug aus ÖNORM B 3415:2015

Je nach Anwendungsbereich kommen unterschiedliche Normen zum Einsatz.

In der ÖNORM B 3415:2019 ist unter anderem die Befestigung von Gipsplatten geregelt. Allerdings gilt die Norm nur für folgende Anwendungsbereiche: »Diese ÖNORM ist für die Planung und Ausführung von nichttragenden Systemen aus Gipsplatten gemäß ÖNORM B 3410, die baustellenseitig aus allgemein verfügbaren oder aus auf der Baustelle hergestellten Komponenten gebaut werden, anzuwenden. Dies sind z. B. Ständerwände, abgehängte Decken, Wand- und Deckenbekleidungen, Dachgeschoßausbauten und Bauteilbekleidungen.
Nicht Gegenstand dieser ÖNORM sind:
- im Werk vorgefertigte Bauteile für Holz- und Fertighausbauten gemäß den ÖNORMEN B 2310 und B 2320 sowie deren Fertigstellung im Zuge der Errichtung des Gebäudes auf der Baustelle und
- Bauteile mit aussteifender Wirkung.
- Bauteile, die von einer harmonisierten Europäischen Norm (hEN) erfasst sind oder für die eine Europäische Technische Bewertung (ETA) ausgestellt wurde oder eine nationale Bautechnische Zulassung erteilt wurde.«

Im Punkt 6.2. »Befestigung« sind in den Tabellen 3 und 4 zulässige Spannweiten und Abstände definiert. Des Weiteren werden Eindringtiefen der Befestigung in Unterkonstruktionen (Metall und Holz) beschrieben und aufgezeigt (siehe Abbildung). Die Befestigungsmittel (Schnellbauschrauben, Klammern, Nägel) müssen der DIN 18182-2 bzw. der ÖNORM EN 14566 entsprechen. Die Herstellerangaben sind zu beachten.
Des Weiteren ist in der ÖNORM B 3415 festgelegt, dass für Gipsplattensysteme mit Feuerschutzanforderungen grundsätzlich Feuerschutzplatten zu verwenden sind, bei denen nur eine Schraubverbindung zulässig ist – für andere Befestigungsmittel sind entsprechende Nachweise zu erbringen.

Wenn es sich nicht um einen Anwendungsbereich der ÖNORM B 3415 handelt, bzw. es Anforderungen an den Brandschutz gibt, ist die ÖNORM EN 1995-1-2:2011 heranzuziehen. In diesem Fall muss die Verankerungslänge der Verbindungsmittel zur Befestigung der Schutzbekleidung, z. B. Gipsplatten, Typ F (verbesserter Gefügezusammenhalt des Kerns bei hohen Temperaturen - Brandfall) mindestens 10 mm in das unverbrannte Holz betragen. Die Abbrandrate des Holzes ist zu bestimmen. Bemessungswerte der Abbrandraten sind in der ÖNORM EN 1995-1-2 angegeben.

 

ÖNORM B 3415:2019 Planung und Ausführung von Trockenbauarbeiten (Ausgabe: 2019-11-01)

ÖNORM B 3410:2016 Gipsplatten für Trockenbausysteme - Arten, Anforderungen und Prüfungen (Ausgabe: 2016-04-01)

ÖNORMEN B 2310:2009 Fertighäuser - Benennungen und Definitionen sowie Mindestleistungsumfang (Ausgabe: 2009-05-01)

ÖNORMEN B 2320:2017 Wohnhäuser aus Holz - Technische Anforderungen (Ausgabe: 2017-08-01)

DIN 18182-2:2019 Zubehör für die Verarbeitung von Gipsplatten - Teil 2: Schnellbauschrauben, Klammern und Nägel (Ausgabe: 2019-12)

ÖNORM EN 14566:2009 Mechanische Befestigungsmittel für Gipsplattensysteme - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren (Ausgabe: 2009-09-15)

ÖNORM EN 1995-1-2:2011 Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten - Teil 1-2: Allgemeine Regeln - Tragwerksbemessung für den Brandfall (konsolidierte Fassung) (Ausgabe: 2011-09-01)


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