Konvektiver Feuchteeintrag durch Undichtheiten bei Bauteilen

Frage:

Gibt es Anhaltswerte für typische Undichtheiten (in l/m²*s Bauteilfläche) von Bauteilen? Wenn man Konvektion weitestgehend ausschließen will, wird doch immer ein kleiner Prozentsatz der anfallenden Feuchte durch Undichtheiten in das Bauteil gelangen. Sind diese Werte für Wände und Dächer (z. B. Flachdächer) unterschiedlich? Gibt es entsprechende Untersuchungen / Literatur zu dem Thema?

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Nr.: 369


Antwort der Experten:

Es ist richtig, dass geringe Leckagen an Bauteilen kaum ausgeschlossen werden können, weshalb diese auch "feuchtetolerant" ausgebildet werden sollten. Das heißt, der Aufbau sollte so gestaltet sein, dass eingedrungene Feuchte auch wieder austrocknen kann (siehe auch "Haltbarkeit von Holz in Flachdachaufbauten"). Der Umfang der Leckagen an einem Bauteil und der konvektiven Feuchteeinträge durch diese hängt von einer Reihe von Faktoren wie z.B. der Ausführungsqualität und den Klimabedingungen ab.

Basierend auf einer statistischen Erhebung an 50 Einfamilienhäusern hat die Holzforschung Austria vier Luftdichtheitsklassen mit zugehörigem Leckagevolumenstrom in Abhängigkeit der Fertigungsbedingungen und der Luftdichtheit des Gebäudes definiert.

Bezüglich der Abhängigkeit des Feuchteeintrags von der Lage der Bauteile kann gesagt werden, dass aufgrund des thermischen Auftriebs im beheizten Raum (Gebäude) und der dadurch entstehenden Überdruckzone die oberen Raum- bzw. Gebäudeteile (je nach Verbund der einzelnen Geschoße) stärker durch konvektiven Feuchteeintrag von innen nach außen gefährdet sind als die tiefer liegenden Gebäudeteile.

Weitere Informationen zum Thema können z.B. unter folgenden Literaturangaben [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] entnommen werden.

Literatur:
[1] Geißler, A.; Hauser, G. (2002): Abschätzung des Risikopotentials infolge konvektiven Feuchtetransports. Forschungsbericht, AIF-Nr.:12764, Universität Kassel, Fachgebiet Bauphysik.
Online verfügbar unter http://www.uni-kassel.de/fb6/bpy/

[2] Borsch-Laaks, R. (2006): Risiko Dampfkonvektion. Wann gibt s wirklich Schäden? Fachartikel, Holzbau - die neue quadriga, Heft 3, S. 17-22.

[3] Hauser, G.; Maas, A.(1992): Auswirkungen von Fugen und Fehlstellen in Dampfsperren und Wärmedämmschichten. Deutsche Bauzeitschrift 24, Heft 1, S. 97-100.

[4] Hall, M.; Geißler, A.; Hauser, G. (2000): Quantifizierung einzelner Leckagen und Leckagewege bei Gebäuden in Holzbauart. Forschungsbericht Teil 1, AIF-Nr.: 11402N, Universität Kassel, Fachgebiet Bauphysik.

[5] Künzel, H. M.; Zirkelbach, D.; Schafaczek, B.: Berücksichtigung der Wasserdampfkonvektion bei der Feuchteschutzbeurteilung von Holzkonstruktionen. In: WKSB, H. 63, S. 25-33.

[6] Fuhrmann, W. (2000): Luft- und Winddichtheit von Holzhausbauten. Einfluss der Konstruktionsarten und Ausbaustufen. Forschungsbericht, FFF-Nr.:801493/416, Holzforschung Austria, Wien.

[7] Schober, P.; Fuhrmann, W.; Mannsbarth, A.; Haager, M. (1996): Örtliche Leckagen von Fertigbauteilen und Bauteilanschlüssen. Forschungsbericht Teil 1, Holzforschung Austria, Wien.

[8] Schober, P.; Fuhrmann, W.; Teibinger, M. (1997): Örtliche Leckagen von Fertigbauteilen und Bauteilanschlüssen. Forschungsbericht Teil 2, Holzforschung Austria, Wien.


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