Bläue bei Schalungsbrettern / Sparren

Frage:

Beim Dachstuhl sind Schalungsbretter und Sparren teilweise schwarz-blau-grau-grün verfärbt. Ist das Schimmel? Was ist die Ursache? Welche Risiken bestehen bzw. ist die Tragfähigkeit des Dachstuhls beeinträchtigt? Können in weiterer Folge gesundheitliche Probleme entstehen? Ist eine Sanierung notwendig bzw. wie ist diese durchzuführen? In welcher Norm sind Oberflächenqualitäten von Bauholz geregelt?

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Nr.: 1792


Antwort der Experten:

Bei den schwarz-blau-grau-grün verfärbten Stellen dürfte es sich um Bewuchs durch Bläue- bzw. Schimmelpilze handeln. Die betreffenden Oberflächen sind im Einzelfall zu untersuchen.

Schimmelpilze bewachsen Holz oberflächlich, Bläuepilze hingegen können Holz nicht nur oberflächlich bewachsen, sondern den gesamten Splintbereich von anfälligen Holzarten durchwachsen. Die blaue bis graublaue Verfärbung wird allgemein als »Bläue« bzw. »Verblauung« bezeichnet. Bläuepilze greifen die Zellwände des Holzes nicht an - insofern bewirken Bläuepilze keine wesentlichen Festigkeitsverluste und auch keine Fäulnis des Holzes.

Die Ursache für den Bewuchs mit Pilzen ist eine zu hohe Feuchtigkeit des Holzes bzw. zumindest der Oberflächen des Holzes. Ohne Feuchtigkeit ist ein Wachstum von Pilzen nicht möglich. Jede atmosphärische Luft, ob Außen- oder Innenluft, enthält Sporen von Pilzen. Bei geeigneten Umgebungsbedingungen, insbesondere bei entsprechender Materialfeuchte und Temperatur, kann es auf jedem geeigneten Nährsubstrat, so auch auf Holz, zur Sporenkeimung und in weiterer Folge zum Pilzwachstum kommen.

Alle Pilze (egal ob Schimmelpilze, Bläuepilze oder holzzerstörende Pilze) wachsen primär mittels Hyphen (Zellfäden) und bilden ein Mycel. Zur Verbreitung und Vermehrung bilden sie sog. Sporen bzw. Konidien. Insbesondere Schimmelpilze sind befähigt rasch und in großer Anzahl Sporen zu bilden. Diese, sowie Mycelteile von Pilzen, können auch in die Luft die wir einatmen gelangen. Sporen von Schimmelpilzen sowie Myelteile können gesundheitlich bedenklich sein:

  • Sporen von Schimmelpilzen besitzen ein allergenes Potential, d. h. sie können Allergien hervorrufen,
  • manche Schimmelpilze sind potentielle Toxinbildner, d. h. Stoffwechselprodukte von diesen Schimmelpilzen können eine toxische Wirkung haben,
  • einige wenige Schimmelpilze können infektiöse Wirkungen aufweisen (betr. hauptsächlich immungeschwächte Organsimen).

In Anbetracht der möglichen Effekte von Schimmelpilzen, sollte eine Minimierung der Exposition angestrebt werden. Dauerhafte Mehrbelastungen wie z. B. eine kontinuierliche Innenraumquelle sollten vermieden werden. D. h. der oberflächlich vorhandene Pilzbewuchs ist zu entfernen. Dies kann durch Abschleifen oder Abhobeln erfolgen, wobei auf entsprechenden Arbeitsschutz zu achten ist. Weiters ist zu beachten, dass das Holz soweit getrocknet wird, dass Holzfeuchtigkeiten ≤ 20 % vorliegen, da andernfalls erneut Wachstum von Pilzen erfolgen wird. Verfärbungen im Holz sind gesundheitlich unbedenklich, solange kein oberflächlich vorhandener Pilzbewuchs vorhanden ist.

Normativ geregelt sind Oberflächenqualitäten von Bauschnittholz (sägerau oder gehobelt) bezogen auf die jeweilige Sichtfläche zum Zeitpunkt der Fertigstellung in der ÖNORM B 2215:2009 (Holzbauarbeiten Werkvertragsnorm). Die Tabelle A.3 der Norm lässt bei der »Standard-Qualität« Verfärbungen gemäß ÖNORM DIN 4074-1 zu. Bei der »Sicht-Qualität« sind Verfärbungen durch Bläue oder Rotstreif nicht zulässig.


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