Abdichtung der Decke im Badezimmer (Holzrahmenbau)

Frage:

Muss bei einem Holzriegelbau im Badezimmer (Obergeschoss) eine Abdichtung auf der Decke angebracht werden? Darunter befinden sich Wohnräume.

 

 

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Nr.: 2301


Antwort der Experten:

Gemäß ÖNORM B 3692, Tabelle 8 (Feuchtigkeitsbeanspruchung) muss in der Beanspruchungsklasse W3 (mäßige Wasserbelastung - Flächen mit häufig, kurzzeitigem Einwirken durch Wisch-, Spritz und Brauchwasser) eine Abdichtung auf Rohbauebene gem. genannter Norm zuzüglich Verbundabdichtung bei Fliesen-/keramischen Belägen gemäß ÖNORM B 3407 ausgeführt werden.

Die Notwendigkeit einer dichten, zweiten Abdichtung auf Rohbauebene mit seitlichen Hochzügen von bis zu 15 cm wird in Fachkreisen eingehend diskutiert. Grundsätzlich kann diese Maßnahme nur funktionieren, wenn diese Wanne einen kontrollierten Abfluss hat und an der Tür eine Schwelle vorhanden ist. Aus bautechnischen Gründen (Verlegung von Leitungen, Einbringen eines Gefälles) sowie bei einer Risikoabschätzung eines Wasserschadens in Vergleich zu anderen Räumen (wie z. B. Küche - Geschirrspüler, Abflüsse, etc.) wird von einer Wannenausbildung in privaten Badezimmern abgeraten (vgl. Köhnke).

Zusätzlich spricht auch die Tatsache dagegen, dass es zu einer langandauernden, nicht bemerkbaren Durchfeuchtung der Holzkonstruktion kommen kann. Wesentlich wichtiger als die Ausbildung einer dichten Wanne im gesamten Badezimmer sind die Abdichtungen der Armaturen und Sanitärgegenstände in den Duschen sowie der Anschlüsse der Dusch- und Badewannen.

Wesentlich ist hierbei der Schutz der Tragkonstruktion, welcher auch durch andere (als in der bereits oben angeführten ÖNORM B 3692) Maßnahmen (z. B. Inspektionsöffnungen) erreicht werden kann.

Dauerhafte Durchfeuchtungen von Holzkonstruktionen sind generell zu verhindern. Rohrbrüche werden in der Regel aufgrund der großen Wassermengen kurzfristig erkannt und eine rasche Behebung und Austrocknung ist möglich. Abdichtungsmaßnahmen sind in Bereichen, wo geringfügige Wassermengen über einen längeren Zeitraum auftreten können, wie z. B. bei Durchdringungen von Amaturen, Verspachtelungen von Fliesen und Anschlussfugen bei Duschwannen, erforderlich. Entscheidend ist, das elastische Fugen regelmäßig gewartet werden.

Literatur:
Planungsbroschüre - Holzrahmenbauweise im Geschoßbau, Mai 2014, Holzforschung Austria
Köhnke, E.: Schlagregen im Bad? Abdichtung von Bädern und Feuchträumen im Holzbau. In: Holzbau die neue quadriga. 4/2007. S. 22-27

Angeführte Normen:
ÖNORM B 3692:2014 (Planung und Ausführung von Bauwerksabdichtungen)
ÖNORM B 3407:2015 (Planung und Ausführung von Fliesen-, Platten- und Mosaiklegearbeiten)

Abgelegt unter der Kategorie: Geschoßdecke Feuchteschutz

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