Querlattung sperrt die Hinterlüftungsebene

Anonym: Da wir eine vertikale Außenlattung anstreben, sperrt die 30 mm starke Querlattung die Hinterlüftungsebene. Welche Schritte wären zu setzen, um aus einer nicht hinterlüfteten Fassade eine hinterlüftete bzw. belüftete Fassade zu machen und welche Konsequenzen hätte eine nicht hinterlüftete Fassade?

12.12.2011 | Nr.: 1134

Kategorie: Holzfassaden

Antwort

Die einfachste und beste Lösung wäre in diesem Fall die Anordnung von zwei Lattungsebenen. Damit wäre die Hinterlüftung wieder gewährleistet.

Der Unterschied einer hinterlüfteten Fassade zur belüfteten Fassade liegt darin, dass der Hinterlüftungsspalt an der Unterseite (Zuluftöffnung), sowie an der Oberseite (Abluftöffnung) der Fassade mit der Außenluft verbunden ist. Bei der belüfteten Fassade ist lediglich die Unterseite des Luftspalts mit der Außenluft verbunden (siehe „Typologie der Holzfassaden“).

Ihr geschilderter Fall ist als bauphysikalisches Grundprinzip eine nicht hinterlüftete Fassade mit einer stehenden Luftschicht. Laut beigefügter Tabelle „Bewertungsmatrix“ ist bei unterschiedlichen Bauweisen eine nicht hinterlüftete Fassade mit Luftschicht mit Einschränkungen möglich, wenn die Holzfassade keine diffusionsdichte Schicht (z.B. durch dickschichtige Beschichtungen) darstellt, keine hohe Baufeuchte in der tragenden Konstruktion vorhanden ist, und kein Niederschlagswasser hinter die Fassade gelangen kann.

Bei nicht hinterlüfteten Holzfassaden ist die Holzfeuchtigkeit im Allgemeinen höher als bei hinterlüfteten oder belüfteten Fassaden. Hier hat die Diffusion von Wasserdampf zusätzlich einen Einfluss auf den Feuchtehaushalt des Holzes. Bei einer Unterschreitung der Taupunkttemperatur in der Konstruktion kann es zu Feuchteansammlungen und Schäden kommen.

Durch die Bewitterung und Klimaverhältnisse treten standortabhängige Feuchtebeanspruchungen durch Beregnung und Luftfeuchtigkeit auf. Der Feuchtehaushalt der beschichteten Holzfassade ist hauptsächlich von der Beschichtung, der Farbe der Fassade und der Ausrichtung der Fassade abhängig. Zusätzlich spielt der konstruktive Holzschutz eine wesentliche Rolle bei der Vermeidung von lokalen Feuchteansammlungen im Holz.

Problematisch bei einer waagrechten Unterkonstruktionslattung mit stehender Luftschicht (z. B. bei Brett- und Profilholzfassaden) ist, dass es bei Undichtheiten und Feuchtigkeitseintritten zu Schäden in der Wand kommen kann, da die Feuchtigkeit nicht abtransportiert werden kann. Eine Entwässerungsmöglichkeit nach unten ist unbedingt erforderlich. In diesem Fall kann eine „Drainageschicht“ zwischen Holzfassade und horizontaler Konterlattung eingeplant werden (aus druckfestem, wasserdurchlässigen Material z.B. rostfreie Wellblechstreifen in Querlattenhöhe oder punktuelle Unterlegung der Latten mit Kunststoffplättchen).

Bei nicht hinterlüfteten Holzfassaden müssen in die Berechnung der Feuchtediffusion (gemäß ÖNORM B 8110-2 Wärmeschutz im Hochbau) alle Bauteilschichten mit den entsprechenden sd-Werten inkl. Beschichtung einfließen.

Ausführliche Informationen finden Sie in der Publikation "Fassaden aus Holz", welche von proHolz Austria in Zusammenenarbeit mit der Holzforschung Austria herausgegeben wurde.

Typologie der Holzfassadensysteme