Können Flachdächer in Holzrahmenbauweise nur hinterlüftet ausgeführt werden?
29.06.2009 | Nr.: 772
Können Flachdächer in Holzrahmenbauweise prinzipiell nur hinterlüftet ausgeführt werden, oder gibt es eine Möglichkeit ein Flachdach (mit entsprechender Dampfsperre) auch ohne Hinterlüftung auszuführen?
Falls die Konstruktion unbedingt hinterlüftet ausgeführt werden muss: welche Mindestabmessung ist dabei erfoderlich?
Antwort
Flachdächer bei Bauten in Holzrahmenbauweise können sowohl hinterlüftet als auch nicht belüftet ausgeführt werden.
Wird eine Hinterlüftung ausgeführt, so muss jedenfalls ein ausreichend großer Belüftungsquerschnitt sichergestellt werden. Die ÖNORM B 7219 "Dachdeckerarbeiten" schreibt gemäß ÖNORM B 7215:2000-11 für belüftete Dachkonstruktionen in Abhängigkeit der Dachneigung bzw. Sparrenlänge Konterlattungshöhen und Mindestgrößen für Zu- und Abluftöffnungen vor.
Kann eine Durchströmung der Belüftungsebene nicht sichergestellt werden, z.B. durch kein direktes Gegenüberliegen der Be- und Entlüftungsöffnungen oder wenn die Windanströmung durch eine dichte Bebauung verhindert wird, sollte auf eine nicht belüftete Dachkonstruktion zurückgegriffen werden.
Da eine vollkommen leckagefreie Konstruktion nur theoretisch herzustellen und während der gesamten Nutzungsdauer zu gewährleisten ist, sollten bei nicht belüfteten Dachkonstruktionen die Bauteile "feuchtetolerant" gestaltet werden. Das heißt, dass ein Abtrocknen von eventuell vorhandener Feuchte aus dem Gefach möglich sein sollte.
Werden beidseitig Materialien mit hohen Dampfdiffusionswiderständen eingesetzt, ist dieses Austrocknungspotential nicht mehr gegeben. Das Auftreten einer Leckage während der Nutzung ist nie auszuschließen und meist schwer erkennbar. Die dadurch in die Konstruktion gelangende Feuchtigkeit kann ein optimales Mikroklima für holzzerstörende Pilze schaffen. Auf solche, aus dampfdiffusionstechnischer Sicht nahezu dichten Aufbauten sollte deshalb wenn möglich verzichtet werden.
Sofern außenseitig kein diffusionsoffener Aufbau herzustellen ist, können innenseitig auch feuchteadaptive Dampfbremsen eingesetzt werden. Dafür dürfen im Innenraum die wohnbereichstypischen Klimabedingungen (im Winter ca. 40% rel. Luftfeuchtigkeit und im Sommer ca. 60% rel. Luftfeuchtigkeit) nicht überschritten werden. Die Beschattung der Dachfläche muss außerdem so gering sein, dass das Gefach durch die Sonne erwärmt werden kann. Der Einbau trockener Hölzer und die luftdichte Ausführung der Anschlüsse bzw. Durchdringungen ist aber auch bei diesen Produkten erforderlich.
Baupraktische Untersuchungen zu dieser Thematik werden zur Zeit im Rahmen des Forschungsvorhabens "Innovative flachgeneigte hölzerne Dachkonstruktionen" an der Holzforschung Austria durchgeführt.
