Ist bei nachfolgendem Flachdachaufbau eine Ausführung mit Hinterlüftung empfehlenswerter?
13.11.2009 | Nr.: 840
Wir haben für einen Holzrahmenbau (Umkleidegebäude) mit Flachdach ein Warmdach mit folgendem Aufbau (nach DIN) ausgeschrieben:
Installationsebene, Dampfbremse, Konstruktionsholz 6/20, Minerwolle 200mm, 3-S-Platte 22 mm, Dachabdichtung.
Der Zimmermann meldete nun Bedenken an und schlägt folgendes vor:
statt Mineralwolle eine Zellulosedämmung und die Dampfbremse als variable Vliesdampfbremse.
Ursprünglich war ein Gründach vorgesehen, auf das nun verzichtet wird. Da evt. eine Photovoltaikanlage auf das Dach installiert wird und es somit zu einer Beschattung kommen würde, würde uns ein hinterlüftetes Dach mit einer zusätzlichen diffusionsoffenen Schalungsbahn "sicherer" erscheinen. Die Länge der Balken beträgt ca. 10m. Da stellt sich nun aber die Frage, wie hoch muss die hinterlüftete Ebene sein und ist es überhaupt ein empfehlenswerter Aufbau?
Antwort
Beim Einsatz von feuchteadaptiven Dampfbremsbahnen ist dem Innenraumklima besondere Beachtung zu schenken. Im Bereich der Duschen von Umkleideräumen kann es auch im Winter über längere Zeiträume innenseitig zu hohen rel. Luftfeuchten kommen. Hierdurch sinkt der Diffusionswiderstand der Dampfbremse, dies kann im Winter sehr kritisch sein.
In einem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt der Holzforschung Austria hat sich gezeigt, dass ein hinterlüftetes und außen diffusionsoffenes Dach die sicherste Variante darstellt um ein Flachdach auszuführen. Hier muss jedoch die Durchströmung der Hinterlüftungsebene sichergestellt werden können ("sich-sehende" Belüftungsöffnungen, maximale Dachneigung, Windanströmung, ...).
Dafür ist außerdem ein ausreichend großer Belüftungsquerschnitt erforderlich. Die ÖNORM B 7219 "Dachdeckerarbeiten" schreibt gemäß ÖNORM B 7215:2000-11 für belüftete Dachkonstruktionen in Abhängigkeit der Dachneigung bzw. Sparrenlänge Konterlattungshöhen und Mindestgrößen für Zu- und Abluftöffnungen vor. Bei einer Dachneigung bis 10° ist z.B. eine Mindesthöhe der Konterlattung von 100 mm vorgeschrieben.
Weiters ist auf die Verwendung einer Unterspannbahn mit erhöhter Regensicherheit zu achten. Die Hinterlüftungsebene muss geneigt entwässert werden.
Kann eine Durchströmung der Belüftungsebene nicht sichergestellt werden, z.B. durch kein direktes Gegenüberliegen der Be- und Entlüftungsöffnungen oder wenn die Windanströmung durch eine dichte Bebauung verhindert wird, sollte auf eine nicht belüftete Dachkonstruktion zurückgegriffen werden (siehe Frage
Haltbarkeit von Holz in Flachdachaufbauten).
Dachaufbauten mit Zellulose haben in einem Forschungsprojekt von Winter, S.; Fülle, C.; Werther, N. (2009): "Dächer in Holzbauweise mit oberer dampfdichter Abdichtung unter Einsatz ökologischer Bauprodukte zum Erreichen schadensfreier, markt- und zukunftsgerechter Konstruktionen" günstiger abgeschnitten als Dachaufbauten mit Mineralwolle.
