Flachdachaufbau - Mineralwolle/Zellulose
Anonym: Wir haben für einen Holzrahmenbau (Umkleidegebäude) mit Flachdach ein Warmdach mit folgendem Aufbau (nach DIN) ausgeschrieben:
Installationsebene, Dampfbremse, Konstruktionsholz 6/20, Minerwolle 200mm, 3-S-Platte 22 mm, Dachabdichtung.
Der Zimmermann meldete nun Bedenken an und schlägt folgendes vor:
statt Mineralwolle eine Zellulosedämmung und die Dampfbremse als variable Vliesdampfbremse.
Ursprünglich war ein Gründach vorgesehen, auf das nun verzichtet wird. Da ev. eine Photovoltaikanlage auf das Dach installiert wird und es somit zu einer Beschattung kommen würde, würde uns ein hinterlüftetes Dach mit einer zusätzlichen diffusionsoffenen Schalungsbahn "sicherer" erscheinen. Die Länge der Balken beträgt ca. 10m. Da stellt sich nun aber die Frage, wie hoch muss die hinterlüftete Ebene sein und ist es überhaupt ein empfehlenswerter Aufbau?
Antwort
Beim Einsatz von feuchteadaptiven Dampfbremsbahnen ist dem Innenraumklima besondere Beachtung zu schenken. Im Bereich der Duschen von Umkleideräumen kann es auch im Winter über längere Zeiträume innenseitig zu hohen rel. Luftfeuchten kommen. Hierdurch sinkt der Diffusionswiderstand der feuchtadaptiven Dampfbremse, dies kann im Winter sehr kritisch sein.
In einem abgeschlossenen Forschungsprojekt der Holzforschung Austria hat sich gezeigt, dass ein hinterlüftetes und außen diffusionsoffenes Dach die sicherste Variante darstellt um ein Flachdach auszuführen. Hier muss jedoch die Durchströmung der Hinterlüftungsebene sichergestellt werden können ("sich-sehende" Belüftungsöffnungen, maximale Dachneigung, Windanströmung, ...).
Dafür ist außerdem ein ausreichend großer Belüftungsquerschnitt erforderlich. Die ÖNORM B 4119 (Planung und Ausführung von Unterdächern und Unterspannungen) sieht für belüftete Dachkonstruktionen in Abhängigkeit der Dachneigung, Schneelast und Sparrenlänge, Konterlattungshöhen und Mindestgrößen für Zu- und Abluftöffnungen vor.
Weiters ist auf die Verwendung einer Unterdeck-/Unterspannbahn mit erhöhter Regensicherheit zu achten. Die Hinterlüftungsebene muss geneigt und entwässert werden.
Kann eine Durchströmung der Belüftungsebene nicht sichergestellt werden, z.B. durch kein direktes Gegenüberliegen der Be- und Entlüftungsöffnungen oder wenn die Windanströmung durch eine dichte Bebauung verhindert wird, sollte auf eine nicht belüftete Dachkonstruktion zurückgegriffen werden (siehe Frage
Haltbarkeit von Holz in Flachdachaufbauten).
Durch die Verwendung von sorptiver Zellulose als Dämmstoff können im Gefach geringere Materialfeuchten erreicht werden als bei Verwendung von Mineralwolle [1], [2]. Sind jedoch größere Luftleckagen vorhanden, so kann es zu einer stetigen Auffeuchtung der Zellulose kommen. Durch die erhöhte Sorptionsfähigkeit der Zellulose trocknet die Feuchtigkeit dann auch langsamer wieder ab.
[1] Nusser, B.; Teibinger, M.; Bednar, T. (2010): Messtechnische Analyse flachgeneigter hölzerner Dachkonstruktionen mit Sparrenvolldämmung - Teil 2: Nicht belüftete, extensiv begrünte Dächer mit Zellulose- und Mineralwolledämmung. In: Bauphysik, Jg. 32, H. 4, S. 219–226.
[2] Winter, S.; Fülle, C.; Werther, N. (2009): Experimentelle und numerische Untersuchung des hygrothermischen Verhaltens von flach geneigten Dächern in Holzbauweise mit oberer dampfdichter Abdichtung unter Einsatz ökologischer Bauprodukte zum Erreichen schadensfreier, markt- und zukunftsgerechter Konstruktionen. Leipzig. (Forschungsbericht, DGFH: Z 6 - 10.08.18.7-07.18).
