Feuchtadaptive Dampfbremsen

Anonym: Wird der Einbau von feuchtvariablen Dampfbremsen bei Flachdächern in Holzbauweise empfohlen? Wenn ja, was ist bei der Ausführung zu beachten?

14.12.2011 | Nr.: 1224

Kategorie: Flachdach, Feuchteschutz, Folien/ Abdichtungen

Antwort

Entscheidend für eine langlebige Dachkonstruktion ist eine sorgfältige Planung und Umsetzung der Konstruktionsdetails.

„Dicht-dicht“ Aufbauten, d.h. beidseitige hohe sd-Werte der Dachabdichtung bzw. der Dampfbremse, wie sie in den letzten Jahrzehnten ausgeführt wurden, entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Bei Dachkonstruktionen mit einem hohen außenseitigen Diffusionswiderstand hat eingedrungene Feuchtigkeit (während der Bauphase, zu hohe Einbaufeuchte, Konvektion aufgrund von Leckagen, etc.) keine Möglichkeit das Gefach nach außen hin zu verlassen. Wird durch einen hohen, innenseitigen Diffusionswiderstand der Abtransport nach Innen ebenfalls stark reduziert, so ist die Feuchtigkeit im Gefach gefangen und kann sich dort sammeln. Demnach wirken „dicht-dicht“ Aufbauten wie eine „Feuchtefalle“, welche zu schwerwiegenden Schäden führen kann.

Um dieses Problem zu umgehen werden inzwischen häufig feuchteadaptive Dampfbremsen eingesetzt. Herrschen trockene Bedingungen an der Dampfbremse, wie sie zumeist während der Heizperiode vorliegen, weist diese einen hohen sd-Wert auf. Hierdurch wird im Winter die Wasserdampfdiffusion ins Bauteil reduziert. Im Sommer bei hohen Temperaturen an der Dachoberfläche kommt es zu einem Partialdampfdruckgefälle nach innen. Dadurch herrscht an der Dampfbremse eine höhere Luftfeuchtigkeit, wodurch der sd-Wert der Dampfbremse sinkt, wodurch ein Rücktrocknen der vorhandenen Feuchtigkeit aus dem Gefach ermöglicht wird (= sommerliche Rücktrockung).

Die sommerliche Rücktrocknung kommt allerdings nur in Gang, wenn an der Dachoberfläche erhöhte Temperaturen herrschen. Problematisch sind aus diesem Grund Foliendächer mit Auflasten (Gründach, Kies) und/oder manche Beschattungssituationen. Hierdurch wird die Erwärmung des Gefaches durch die Sonnen gegebenenfalls stark gedämpft und es kann im Gefach zu einer Feuchteakkumulation kommen.

Folgende Punkte sind für eine gute Ausführung von großer Wichtigkeit:

_Dunkle Dachoberflächen  – durch eine hohe Dachflächentemperatur wird die Rücktrocknung im Gefach gefördert.

_Eine Dachneigung von ≥ 3 % - sonst kann es zu einer Pfützenbildung kommen 

_Die Rücktrocknung im Gefach muss gewährleistet sein (keine Auflasten, keine längeren Beschattungen, nicht zu hohe innenseitige Diffusionswiderstände)

_Maximale Dichtheit der Dachkonstruktion

_Verwendung von trockenem Bauholz < 18%( gemäß ÖNORM B 2215 Holzbauarbeiten) für Flachdächer soll die maximale Einbaufeuchte besser 16% aufweisen

__Keine Hohlräume in der Wärmedämmung – das Gefach sollte zu 100% ausgedämmt sein, da durch Hohlräume in der Wärmedämmung Luftkonvektion im Gefach entstehen kann, wodurch sich Feuchtigkeit verstärkt an einem Ort sammeln kann.

_Innenraumluftfeuchten sind bei der Planung zu beachten

In der beigefügten pdf-Datei „Nachweispyramide für unbelüftete Flachdächer in Holzbauweise beim Einsatz von feuchtadaptiven Dampfbremsen“ erhalten Sie einen guten Überblick wie die feuchtetechnische Nachweisführung für solche Flachdächer erfolgen kann.

Weiterführende Informationen zu Flachdächern aus Holz mit Wartungs- und Konstruktionsempfehlungen finden Sie in der Planungsbroschüre „Opens external link in new windowFlachgeneigte Dächer aus Holz“ der Holzforschung Austria.


Dateien:
Nachweispyramide (822 KB)